Grenzbebauungbaulast und Anbaubaulast

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MarkJG

Grenzbebauungbaulast und Anbaubaulast

Beitragvon MarkJG » 12.06.2017, 00:20

Guten Tag,

ich hoffe sehr hier Hilfestellung zu finden und entschuldige mich, falls ich nicht genau fachmännisch die Situation beschreiben kann.
Wir bauen eine DHH, das Haus, an dem wir anbauen sollen steht schon. Nun, laut unseren Vermesser, nach der Feinansteckung hat sich herausgestellt, dass das Haus nicht direkt an der Grenze steht sondern 2 bis 5 cm zurück, also auf seinem Grundstück. Bauordnungsamt sagt, wir dürfen nicht über die Grenze bauen, also bleibt unseres Haus genau an der Grenze und es gibt eine Lücke zwischen den Häuser- vorne 2 cm. Hinten 5 cm. Wer ist dafür zuständig, diese Lücke zu befüllen? Die Nachbarn haben Grenzbebauungsbaulast und wir Anbaubaulast?

Geht es hier tatsächlich um zivilrechtliche oder baurechtliche Verfahren?

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Sebastian Veelken
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Re: Grenzbebauungbaulast und Anbaubaulast

Beitragvon Sebastian Veelken » 12.06.2017, 20:49

Öffentlich-rechtlich sind die erteilten Antworten richtig. Aber eine Lücke von 2-5 cm zwischen zwei "grenzständigen" Gebäuden kann ja m.E. (bin kein Techniker!) sogar planmäßig auftreten, weil Fugen etc. erforderlich sind. Darum gibt es zivilrechtlich für NRW auch eine Antwort auf diese Frage, und zwar im Nachbarrechtsgesetz (§ 22):
§ 22 Errichten einer zweiten Grenzwand

(1) Steht auf einem Grundstück eine bauliche Anlage unmittelbar an der Grenze und wird später auf dem Nachbargrundstück an dieser Grenze eine bauliche Anlage errichtet, aber ohne konstruktiven Verband angebaut, so ist deren Erbauer verpflichtet, den entstandenen Zwischenraum auf seine Kosten in geeigneter Weise so zu schließen, daß Schäden im Bereich des Zwischenraumes, insbesondere durch Gebäudebewegungen und Witterungseinflüsse, an der zuerst errichteten baulichen Anlage vermieden werden. Die hierzu notwendigen Anschlüsse haben sich hinsichtlich der verwendeten Werkstoffe der vorhandenen baulichen Anlage anzupassen.

(2) Der Erbauer ist berechtigt, auf eigene Kosten durch übergreifende Bauteile einen den öffentlich-rechtlichen Vorschriften entsprechenden Anschluß an die bestehende bauliche Anlage herzustellen.

(3) Muß der Nachbar zur Ausführung seines Bauvorhabens seine Grenzwand tiefer als die zuerst errichtete Grenzwand gründen, so darf er diese unterfangen, wenn
1. dies nach den allgemein anerkannten Regeln der Baukunst notwendig und
2. das Bauvorhaben öffentlich-rechtlich zulässig ist.

(4) In den Fällen der Absätze 2 und 3 gelten §§ 16 und 17 entsprechend.

Nachbarrechtsgesetz NRW
D.h. der Zweite schließt die Lücke und bezahlt das auch. Einvernehmlich kann man sich natürlich auch auf andere Vorgehensweisen verständigen.


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