Terrassenüberdachung dulden?

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Werner E.
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Terrassenüberdachung dulden?

Beitragvon Werner E. » 21.12.2017, 23:32

Hallo!

Wenn in einem Baugebiet ein Bebauungsplan existiert, demnach überwiegend DHH vorgegeben sind, vereinzelt EFH. Das Gebiet sieht z.B. aus der Vogelperspektive wie Neptuns Dreizack (die Wegung) aus. Der Bebauungsplan gibt für die Baufenster wechselweise mal 12 Meter, mal 15 Meter vor. Die DHH haben alle grds. eine Tiefe von 12 Metern, eine Breite von knapp 7 Metern . Zwischen den Terrassen auf der Grenze stehen absteigend gemauerte(Klinker) Trennmauern 3 Meter tief.

In NRW sind nach unserer Info Terrassenüberdachungen unter 30 qm für sich gesehen genehmigungsfrei, allerdings nur insoweit anderes (Bau-)recht nicht dagegen spricht.

Wenn nun ein DHH-Besitzer, der auf der 12-Meter-Baufensterseite sein Grundstück hat, eine Terrassenüberdachung über die gesamte Hausbreite (7 Meter) -also bis an die Grenze zur anderen DHH- und einer Tiefe von 3 Meter anbringt (das Dach überragt die bestehende Trennmauer ca. 50 cm )...

a) muss er sich eine individuelle Baugenehmigung holen und damit auch vorher seinen DHH-Nachbar befragen und dessen Einwilligung haben?

b) wenn ja: was muss im allgemeinen als "betroffener" Nachbar beachtet werden, wenn es geduldet werden soll, z.B. Brandlast/Windlast, gestiegene Einbruchgefahr 1.OG, muss wer seine Wohngebäude-/Hausversicherung informieren?

Es gibt ja auch ältere Abhandlungen hier zum allgemeinen Thema. Mein Bauchgefühl sagt mir zwar, der Nachbar braucht Genehmigung/Zustimmung, ich bin mir aber nicht sicher. Abgesehen vom formalen Recht/Zulässigkeit interessiert mich auch eher b). Da bislang aber ein gutes Verhältnis zum Nachbarn besteht, sollen mit einer Nachfrage beim örtlichen Bauamt keine schlafenden Hunde geweckt werden, bevor Für und Wider nicht klar sind.

Danke für Rückantworten!

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Sebastian Veelken
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Re: Terrassenüberdachung dulden?

Beitragvon Sebastian Veelken » 23.12.2017, 23:17

Hallo!
Grundsätzlich sind Terrassenüberdachungen unter 30 qm und unter 3m Tiefe in NRW gem. § 65 Abs. 1 Nr. 8b BauO 2000 baugenehmigungsfrei. Das sagt allerdings noch nicht viel, wie im Artikel zur Terrassenüberdachung dargestellt.

Trotz der vielen Angaben noch ein paar Verständnisfragen:
Wie sieht die Terrassenüberdachung aus: Wirklich nur ein Dach, oder auch zu ein, zwei oder drei Seiten geschlossen (die vierte Seite - zum Haus hin - ist ja eh geschlossen)?
Hier stellt sich - zumindest derzeit noch - die Frage nach der Qualität der Seitenwand, die nämlich laut BauO grundsätzlich als Gebäudeabschlusswand auszugestalten ist, d.h. mit besonderen Brandschutzanforderungen belegt wird. Zwar kann die Bauaufsichtsbehörde eine Abweichung zulassen (§ 73 BauO) - aber dazu müsste der Bauherr dies erst einmal beantragen.

Wenn ich es richtig verstanden habe, ist das Baufenster nicht nur 12 m tief, sondern auch durch den Haupt-Baukörper "DHH (ohne Terrassenüberdachung)" schon komplett ausgeschöpft, nicht wahr? Das Dach liegt dann also außerhalb der überbaubaren Grundstücksfläche. Sagen die textlichen Festsetzungen des Bebauungsplanes dazu etwas?

Wie hoch ist die Seitenwand/Überdachung an der Grundstücksgrenze? Unter 3 m? Ansonsten verlangt sie u.U. die Einhaltung seitlicher Abstandflächen (mind 3 m zu jeder Nachbargrenze), das Vorhaben wäre dann bei 7m breiten Grundstücken praktisch nicht mehr realisierbar.

zu Ihren Fragen zu b):
Als Nachbar eines solchen Projektes treffen Sie m.E. keine besonderen Pflichten, sofern Sie nicht aufgrund irgendwelcher Besonderheiten (besonders hohe Versicherungssummen) wirklich individuelle Versicherungsverträge haben, bei denen das örtliche Risiko auch bei Abschluss bereits im Einzelfall bewertet wurde.
Auch wenn das Dach aus Glas ist, wird es - je nach Höhe, Konstruktion und Sauberkeit auch Ihr Grundstück (Terrasse, evtl. auch Wohnraum) etwas verschatten - ohne ist besser.
Überdies haben solche Überdachungen die Tendenz, mit den Jahren "zuzuwachsen", d.h. wenn auch zunächst nur ein fliegendes Dach vorgesehen ist, so wird daraus häufig mit den Jahren ein mehr oder minder geschlossener Anbau.

Aus aktuellem Anlass (23. Dezember!) sei auch noch angemerkt, dass Terrassenüberdachungen aus Glas lustige Reflexionen auslösen können. Plötzlich sieht man im Dunkeln Nachbars blinkende LED-Weihnachtsbeleuchtung auch im eigenen Wohnzimmer...

Werner E.
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Re: Terrassenüberdachung dulden?

Beitragvon Werner E. » 24.12.2017, 10:51

Hallo, Herr Voelken!

Schönen Dank für Ihre erste Antwort.

Zur Zeit Ist es erstmal nur ein Dach, "Milchglas" (also nicht klar) eingelassen in weiss beschichtetes Aluträgersystem. Auf der der Grenze abgewandten Seite grenzt seine Garagenwand das Dach ein, zu Grenzseite wie gesagt die schon vorhandene Klinkermauer. Diese Klinkermauer hat den gleichen absteigenen Verlauf wie das Terrassendach. Das Terrassendach ist allerdings ca. 50cm höher, es bleibt also ein offener Zwischenraum. Es ist am Hausanschluss geschätzt etwas unter 3 Meter hoch angebracht und endet dann am Ende mit ca. 2,30 Meter Höhe.

Als Bebauungsplan liegt mir derzeit nur eine bildhafte Ausgabe aus dem Internetportal der Stadtverwaltung vor, neben der Legende und einer "Gegenüberstellung der Eingriffe und Ausgleichsmaßnahmen" im Zuge der Erschließung des Baugebietes (2003) sind dort keine konkreten textlichen Festsetzungen zum Bebauungsplan hinterlegt. Meiner Erinnerung nach gibt es da nur wenige Regelungen, etwa die Vorgabe einer offenporigen Pflasterung aus Gründen des Wasser/-Naturschutzes.

Laut Legende des o.a. BBP hat die Häuserreihe ein Baufenster von 12 Meter und dieses wird durch den DH-Baukörper bereits erschöpft, genau.

Ein "Zuwachsen" ist durchaus denkbar.

a) Kann es also sein, dass in einer textlichen Festsetzung des BBP bei der Stadtverwaltung noch weitere Aussagen oder auch Ausnahmen zum Baufenster existieren könnten?

b) wäre die vorhandene Klinkermauer auf der Grenze schon als Gebäudeabschlusswand im Sinne der BauO ausreichend bzw. wenn eigentlich nein: würde eine abweichende Zulassung ohne Einbeziehung/Information des Nachbarn beantragt und vollzogen werden können?

Bisweilen wünsche ich geruhsame Weihnachten!

Schöne Grüße,

Werner E
Zuletzt geändert von Sebastian Veelken am 24.12.2017, 12:48, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Potentiellen Klarnamen vorsorglich entfernt


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