Hammerschlagsrecht: Recht auf Anwesenheit während Arbeiten?

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Gast

Hammerschlagsrecht: Recht auf Anwesenheit während Arbeiten?

Beitrag von Gast » 25.02.2017, 18:35

Sehr geehrte Experten,

Wir haben folgendes Problem:

Unser Neubau auf der Grundstücksgrenze zu den Nachbarn ist fast fertig. Von der Nachbarseite aus muss nur noch gedämmt und verputzt werden.

Ein Gerüst steht schon seit einem halben Jahr auf der Nachbarseite. Maurer, Zimmermann und Dachdecker haben es bereits genutzt. Das war mit den Nachbarn so (mündlich) abgesprochen und es gab nie Probleme.

Wegen des Frostes konnten die Dämmarbeiten nicht wie geplant im November/Dezember durchgeführt werden.

Wir haben die Nachbarn ständig über den aktuellen Stand unterrichtet und ihnen gesagt, dass es sofort weitergeht, sobald das Wetter es zulässt.

Nun ist es soweit. Wir haben den Nachbarn eine Woche vorher angekündigt, wann die Arbeiten beginnen. Sie wollen die Verputzer jetzt aber plötzlich nicht arbeiten lassen bzw nur dann, wenn jemand von Ihnen zu Hause ist.

Begründung: Auf ihrer Seite steht ein kleiner alter Holzschuppen und daran könnte ja etwas durch die Arbeiten kaputt gehen. Deshalb müsse immer jemand da sein und beaufsichtigen.

Das heißt de facto, dass die Putzer in der kommenden Woche nur 2 Tage arbeiten könnten, in der danach nur einen. Alles weitere ungewiss.

Das Gerüst kostet seit Monaten jeden weiteren Tag extra. Die Putzer können an den Tagen dazwischen keine andere Baustelle anfangen und planen schon ganz abzubrechen, bis alles geklärt ist.

Unsere Nachbarn interessiert das alles nicht. Sie wollen einerseits, dass die Baustelle so schnell wie möglich fertig wird, arbeiten andererseits aber selbst dagegen. Alle Versuche vernünftig darüber zu reden sind gescheitert.

Haben die Nachbarn ein Recht darauf, dass Arbeiten auf Ihrer Seite nur ausgeführt werden, wenn sie anwesend sind?

Können wir eventuell dadurch entstandene Kosten von ihnen zurück fordern?

Vielen Dank,

genervte Bauherren aus NRW

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Gast

Re: Hammerschlagsrecht: Recht auf Anwesenheit während Arbeiten?

Beitrag von Gast » 27.02.2017, 12:43

Werte genervte Bauherren,

auch wenn es mich primär interessieren würde, wie die eher unglückliche Situation eines einseitigen Neubaus auf der nachbarlichen Grundstücksgrenze entstanden ist (Abstandsflächenbaulast?), handelt es sich bei dem Hammerschlags- und Leiterrecht nicht um öffentliches Baurecht sondern um privates Nachbarrecht. Insofern bin ich mir nicht sicher, ob hier jemand Ihre zivilrechtliche Frage verbindlich beantworten kann. Da mir die einschlägigen Paragraphen des NachbG NRW aber dahingehend in Erinnerung sind, dass der Nachbar die Anzeige von Arbeiten bereits mit einmonatigem Vorlauf verlangen kann und auch bei einer Inanspruchnahme seines Grundstücks über einen Monat hinaus - wie in Ihrem Fall - auf eine Entschädigung bestehen kann, würde ich anregen, dass Sie in der verzwickten Situation in die Sie sich begeben haben, dem Nachbarn auch bei schmerzhaften oder gar überzogenen Forderungen entgegenkommen sollten. Ich würde vermuten, dass eine juristische Auseinandersetzung in jedem Falle länger dauert und teurer wird, falls sie überhaupt zu Ihren Gunsten ausgeht. Und nachher müssen Sie wahrscheinlich auch noch jahrzehntelang nebeneinander wohnen. Wenn Sie den Biss in den sauren Apfel dennoch scheuen, sollten sie zunächst kompetente juristische Beratung im Bereich des Nachbarrechts in Anspruch nehmen, bevor Sie erstes Porzellan zerschlagen, sonst ist nachher nicht mehr gut Kirschenessen.
So, genug der Obstvergleiche.

Mit freundlichen Grüßen
H. Hallmackenreuther

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