Nachträgliches Fenster an Grundstücksgrenze

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claudette

Nachträgliches Fenster an Grundstücksgrenze

Beitrag von claudette » 21.09.2009, 20:47

Mein Nachbar hat seine Garage auf der Grundstücksgrenze zu unserem Garten. Die Wand ist rein gemauert. Bisher gibt es kein Fenster .Nun plant er einen Durchbruch von der Garage zum direkt anhängenden Wohnhaus und will dort ein Zimmer im Obergeschoss mit dem Obergeschoss der Garage zu einem Schlafzimmer ausbauen. Die Garage hat übrigens ein Spitzdach. Kann er nun zu unserer Gartenseite hin ein Fenster einbauen ohne unsere Genehmigung? Die Genehmigung der Garage auf der Grundstücksgrenze hat doch nicht automatisch zur Folge, dass man dort auch noch nachträglich Fenster einbauen darf?

Bitte um ausführliche Informationen! Vielen Dank!

Grüße

claudette

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Anders Leben

Re: Nachträgliches Fenster an Grundstücksgrenze

Beitrag von Anders Leben » 24.09.2009, 08:13

Meist sind solche Garagen auf der Grundlage von § 6 Abs. 11 BauO NRW genehmigt - dann aber auch nur zu den dort genau bestimmten Zwecken Garage, Gewächshaus oder "zu Abstellzwecken".
Ein Schlafzimmer als Aufenthaltsraum dürfte nicht dazugehören. Wenn Ihr Nachbar es geschickt angeht, bekommt er vielleicht noch einen begehbaren Kleiderschrank hin.
Aus Gründen des Brandschutzes sind Öffnungen (wie z.B. Fenster) in Grenzwänden bzw. sehr grenznahen Wänden meist ein teures Problem, wenn sie überhaupt zulässig sind: Die Brandschutzanforderungen machen das für untergeordnete Nutzungen meist unsinnig (F-90-Verglasung u.ä.)

Am besten erkundigen Sie sich zu gegebener Zeit bei der für Sie zuständigen Bauaufsichtsbehörde - wenn Sie sich nicht lieber die genehmigten Pläne von Ihrem Nachbarn zeigen und erklären lassen.

Grüße
Anders

Claudette

Re: Nachträgliches Fenster an Grundstücksgrenze

Beitrag von Claudette » 24.09.2009, 19:27

Hallo,

ich habe das noch nicht ganz verstanden. Wie ist das gemeint mit dem Brandschutz? Bedeutet das, das das Fenster zu unserem Grundstück, quasi unsere Grundstücksgrenze, einem besonderen Brandschutz unterliegt? Darf man nicht einfach Wohnraum im "Obergeschoss" der Garage schaffen? Die Garage hat ein Spitzdach und soweit ich weiß ist eine Betondecke vorhanden. Man würde nach dem Durchbruch quasi vom Kinderzimmer, was dann Elternschlafzimmer werden soll, ins Garagenobergeschoss gehen. Ob es ein Ankleidezimmer werden soll weiss ich nicht. In der letzten Unterhaltung wurde lediglch Thema, das wir da sowieso nix gegen machen können. Mich persönlich würde es aber stören, da unsere Terasse quasi direkt vor/unter dem Fenster läge....

Claudette

Gast

Re: Nachträgliches Fenster an Grundstücksgrenze

Beitrag von Gast » 25.09.2009, 11:06

Gerade wenn man "sowieso nix machen kann" werde ich hellhörig.
Eine Nachfrage bei der Bauaufsichtbehörde kostet nichts und bringt Ihnen viel mehr Klarheit als jede Spekualtion in einem Forum ohne Baupläne. Zumindest anrufen sollten Sie dort!

Gast2

Re: Nachträgliches Fenster an Grundstücksgrenze

Beitrag von Gast2 » 29.09.2009, 14:06

Hallo,

ich höre nur: Grenzgarage (d.h. grenzständig) zu Aufenthaltsraum: Zwar so bauordnungsrechtlich nicht zulässig, da die Grenzgarage ihre Privilegierung verliert, aber wenn der Nacvbar nicht dagegen hat und nicht meckert und es die Behörde nicht erfährt wird es das schon irgendwo wohl geben.

Fenster in einer Grenzwand sind aber nur dann zulässig wenn Flächen davor freigehalten werden (vgl. § 6 Abs. 11 i.V.m. § 31 BauO NRW) - oder wer kennt nicht die berühmten 5 m-Baulasten aus Brandschutzgründen? Es handelt sich dann nämlich (nach Nutzungsänderung) um ein Gebäude mit Aufenthaltsraum und nicht mehr um eine priviligierte Grenzgarage(bitte schön: http://www.mbv.nrw.de/bau/Container/Hin ... _AbbII.pdf Seite 11 und 12) und da gilt das volle Programm.

Heißt übersetzt:
Nutzungsänderung und Dachgeschossausbau: Nicht zulässig!
Fenster in Grenzgarage: Nicht zulässig (da Öffnungen in Grenzwänden von Grenzgaragen nicht zulässig - Grenzcarport hat keine Wände und wäre zulässig)!

Falls Sie es mitbekommen:
Gerade gegen das, was sie monieren (.kann mir der Nachbar von oben auf die Terrasse schauen...) ist der § 6 in der BauO NRW installiert worden... ;-)


Beste Grüße aus der Bauaufsicht

Gast

Re: Nachträgliches Fenster an Grundstücksgrenze

Beitrag von Gast » 01.12.2009, 15:42

Mitunter kommt es doch auf die abstandsflächen drauf an.
Persönlich würde ich 2 Dachfenster einbauen, statt ein Fenster in den Nachbarsgarten...






[quote="Gast2"]Hallo,

ich höre nur: Grenzgarage (d.h. grenzständig) zu Aufenthaltsraum: Zwar so bauordnungsrechtlich nicht zulässig, da die Grenzgarage ihre Privilegierung verliert, aber wenn der Nacvbar nicht dagegen hat und nicht meckert und es die Behörde nicht erfährt wird es das schon irgendwo wohl geben.

Fenster in einer Grenzwand sind aber nur dann zulässig wenn Flächen davor freigehalten werden (vgl. § 6 Abs. 11 i.V.m. § 31 BauO NRW) - oder wer kennt nicht die berühmten 5 m-Baulasten aus Brandschutzgründen? Es handelt sich dann nämlich (nach Nutzungsänderung) um ein Gebäude mit Aufenthaltsraum und nicht mehr um eine priviligierte Grenzgarage(bitte schön: http://www.mbv.nrw.de/bau/Container/Hin ... _AbbII.pdf Seite 11 und 12) und da gilt das volle Programm.

Heißt übersetzt:
Nutzungsänderung und Dachgeschossausbau: Nicht zulässig!
Fenster in Grenzgarage: Nicht zulässig (da Öffnungen in Grenzwänden von Grenzgaragen nicht zulässig - Grenzcarport hat keine Wände und wäre zulässig)!

Falls Sie es mitbekommen:
Gerade gegen das, was sie monieren (.kann mir der Nachbar von oben auf die Terrasse schauen...) ist der § 6 in der BauO NRW installiert worden... ;-)


Beste Grüße aus der Bauaufsicht[/quote]

Keusen
Beiträge: 1
Registriert: 27.11.2008, 17:57

Re: Nachträgliches Fenster an Grundstücksgrenze

Beitrag von Keusen » 27.02.2010, 12:41

Hallo

Öffnungen in Gebäudeabschlusswänden, das sind Wände die nicht mindestens
2,50 Meter von der Grenze entfernt errichtet werden, sind z.B. nach § 31 Abs. 4
der Bau O NRW aus Gründen des Brandschutzes ausdrücklich NICHT zulässig,
es sei denn dass ein Abstand von mindestens 5 m zu bestehenden oder nach
den baurechtlichen Vorschriften zulässigen Gebäuden öffentlich - rechtlich
gesichert ist, was heisst dass Sie zu Gunsten ihres Nachbarn eine entsprechende
Baulast eintragen würden, wenn Ihr Grundstück in dem Bereich nicht bebaut ist,
was ja wohl kaum in Ihrem Interesse sein dürfte.

Mit freundlichen Grüßen

Eugen Josef Keusen
Dipl.-Ing BDB VBI

staatl. anerk. Sachverst.
f.d.baulichen Brandschutz

fritzsh

Re: Nachträgliches Fenster an Grundstücksgrenze

Beitrag von fritzsh » 23.06.2017, 10:28

23.06.2017
Hallo Herr Keusen
Ihre Antwort ist eigentlich ganz klar. Nur glaube ich, dass ich hier einen Sonderfall habe.
Der Käufer des Nachbarhauses will ich auf 1. Etage ein Fenster einbauen; nach seinen Berechnungen wäre er damit 2,35 Meter von der Grundstücksgrenze entfernt.
Allerdings ist unser Haus eingeschossig; das heisst: sein Fenster würde oberhalb unseres Hauses liegen - wo es logischerweise keine Wände gibt.
Wie ist dann die Situation?
Freundliche Grüsse
Fritz Schmidhäusler
FritzSh@web.de

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Sebastian Veelken
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Re: Nachträgliches Fenster an Grundstücksgrenze

Beitrag von Sebastian Veelken » 25.06.2017, 21:21

Ich habe nicht alles nachvollzogen, aber auf die vertikale Lage kommt es bei der Messung des Abstandes von der Grenze nicht an. D. h. die 2,50 m werden im Lageplan (Draufsicht) gemessen und nicht irgendwie schräg im Raum.
Scheint mir auch ganz vernünftig, denn üblicherweise kann unmittelbar an der Grundstücksgrenze auf beiden Seiten gleich hoch gebaut werden. Wer sagt denn, dass Sie nicht irgendwann auf dieselbe Höhe aufstocken werden.

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